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Roßwein
und seine Eisenbahn
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Zug von Roßwein in Richtung Döbeln, um 1905
Die Eisenbahn kommt nach Roßwein
Die Bahnsituation im 19. Jahrhundert 
Die Leipzig—Dresdner Eisenbahn über Riesa war seit 1839 in Betrieb. 
Bahnhof DöbelnDie „Niedererzgebirgische Staats-Eisenbahn" von Chemnitz über Döbeln nach Riesa hatte den Verkehr aufgenommen. Von Zwickau nach Chemnitz fuhren Züge. 

Von Leipzig aus über Grimma, Leisnig nach Döbeln war eine Bahn projektiert.
Noch fehlte der Anschluß an diese in Aussicht genommene Strecke von Döbeln über Roßwein, Nossen nach Dresden.

Es gründete sich ein „Comite“
Diese Notwendigkeit erkannten Industrie und Handel der Muldenstädte selbst. 
Und so gründete sich auch in Roßwein ein „Comite" unter Vorsitz seines damaligen Bürgermeisters Herrmann, das sich in enger Zusammenarbeit mit der in Nossen ins Leben gerufenen gleichen Vereinigung stark für die Anlegung dieser Bahn einsetzte.
In den Blättern wurde zur Zeichnung von Beiträgen zu den Kosten der Vorarbeiten aufgerufen. Laufend  fanden Besprechungen der beiden Comites statt.  Eingaben an die damalige Landesregierung wurden gemacht und schließlich konnten mit deren Genehmigung die Vorarbeiten beginnen.


Im August 1863 fanden durch den beauftragten Ingenieur und unter Teilnahme von Mitgliedern der jeweils beteiligten Comites die ersten Begehungen und Vermessungen der künftigen Strecke statt, die ursprünglich von Dresden aus über Tharandt-Wilsdruff nach Nossen und weiter geplant war. 

Die Pläne an die Regierung
Bereits 1864 lag eine ausführliche Beschreibung der Strecke mit Zeichnungen, Plänen, statistischen Berechnungen, erforderlichen Bahnhofsanlagen, zu erstellenden Brücken usw. vor, die der Regierung zur Konzessionierung des Baues eingereicht wurden.
Es folgten Verhandlungen mit den betroffenen Grundstücksbesitzern über die Abtretung von Liegenschaften, sowie über die den Eigentümern zu gewährenden Entschädigungen.


Lokomotive der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn
Der Bau der Bahn beginnt
Er nahm im Jahre 1865 in Borsdorf seinen Anfang und wurde in den Teilstrecken Borsdorf—Grimma,
Grimma—Leisnig, Leisnig—Döbeln, Döbeln—Nossen und endlich Nossen—Meißen durchgeführt und im Jahre 1868 beendet. 
Man sprach jetzt nur noch von der „Borsdorf—Meißener Eisenbahn".

Am 4. September 1868 läuft der 1. Zug ein!

Bahnhof Roßwein, um 1905
Die Strecke mit ihren Schienen- und Bahnhofsanlagen, mit dem Stationsgebäude war fertig. 
Was die Bahnanlagen anbetrifft, so entstand sie in ihrer jetzigen Gestalt noch nicht.  Erst durch den Bau der Bahnstrecke Hainichen—Roßwein im Jahre 1872 erhielt unser Bahnhof im großen und ganzen sein jetziges Aussehen.
Lokomotive Braunschweig der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn
Die „Braunschweig“ dampfte am 4. September 1868 als erste Bau-(Probe)Zug auf dem reich mit bunten Flaggen verzierten Bahnhof ein. Sie wurde mit Musik empfangen. 
Am Sonntag, dem 25. Oktober 1868, fand die offizielle Einweihung der Strecke statt, die damit in feierlicher Weise dem Verkehr übergeben wurde.
Schon Wochen vorher hatte sich der Stadtrat an die Bewohner Roßweins gewandt, den Tag als Festtag zu begehen und durch Schmücken der Straßen und Häuser mit Fahnen, Girlanden, Kränzen, durch ein Festmahl im Rathaussaale und des Abends durch eine allgemeine Illumination der Freude über dieses hochwichtige Ereignis Ausdruck zu geben.

Der erste fahrplanmäßige Zug sollte 10 Uhr und der folgende Extrazug etwa 10,45 Uhr auf dem Bahnhof Roßwein von Leipzig her eintreffen.
Bahnhof Roßwein, um 1905
Der Festtag mit Regenschauern
Ein anhaltender orkanähnlicher Sturm mit abwechselnden Regenschauern bereitete sich über die Feier aus. Doch verlief der Tag, wie vorgesehen, in einer gehobenen und festlichen Stimmung.
Die beiden Züge trafen um die bezeichneten Zeiten ein. 
Anhaltender Jubel der Tausende von Menschen, die sich auf dem Bahnhofe eingefunden hatten, weithin schallende Böllerschüsse und muntere Melodien eines starkbesetzten Musikkorps trugen zur allgemeinen Freude bei. 
Es folgten Ansprachen von Ehrengästen und Gästen , bis dann die Weiterfahrt nach Nossen angetreten wurde.
Weitere Infos:
Stadtverwaltung Roßwein
Markt 4
04741 Roßwein
Tel.: 03 34 22 - 4 66-0
Fax: 03 43 22 - 4 34 81
Transportkarren beim Eisenbahnbau

Über die Bauarbeiten
„Anzeiger für Roßwein und Umgebung" vom Oktober 1867:
„auf der Strecke sind viele Hundert Menschen unter der trefflichen Leitung der Herren Ingenieure, Bauunternehmer und sonstiger Beamten in heißen, kühlen und regnerischen Tagen damit beschäftigt , Felsen zu brechen, Berge zu ebnen, Täler zu füllen oder Brücken zu schlagen".
Interessant für Roßweine ist die Tatsache, daß in unserer näheren Umgebung, und zwar kurz vor dem Nonnenberg, durch die Aufwerfung des Bahnkörpers ein Muldenstück abgetrennt werden mußte. Es entstand der „Fischers Teich".

Nach dem ersten Fahrplan
verkehrten täglich 3 Züge, und zwar 

ab Roßwein nach Nossen

  • 9,55 Uhr als gemischter Zug, 
  • 16 Uhr  als Personenzug und
  • 21,30 Uhr als gemischter Zug
ab Roßwein nach Leipzig 
  • 5,21 Uhr  gemischter Zug
  • 14,41 Uhr Personenzug 
  • 17,10 Uhr  gemischter Zug
die Züge trafen in Leipzig ein
  • 7,58 Uhr 
  • 16,28 Uhr 
  • 19,42 Uhr 
Mit etwa 2 1/2 Stunden Fahrzeit war für die damalige Zeit Bedeutendes geleistet worden. 
Bis Nossen fuhr man je nach Zugart etwa 20 bis 25 Minuten und von Döbeln bis Chemnitz durchschnittlich 45 Minuten.

IDA <Service-Pool> Roßwein